Archive for January 2016

Wie umgehen mit den sexuellen Übergriffen in Köln und Hamburg?

Für jede Frau muss ein solcher Moment im höchsten Maße furchterregend sein. In Köln haben in der Silvesternacht betrunkene, agressive Männer im Stadtzentrum Frauen eingekreist und diese angegriffen und begrapscht. Die Zahl der Männer wird hierbei auf 500 bis zu 1000 geschätzt, und ersten Einschätzungen zufolge waren die Angriffe koodiniert. Ein Minister beschrieb die Ereignisse als einevollkommen neue Dimension von Verbrechen”. Wolfgang Albers zufolge, dem Polizeipräsidenten, fand hier ein sexuelles Verbrechen besonderen Ausmaßes statt. Er gab an: “Die Taten wurden von einer Gruppe von Personen verübt, die dem Anschein nach zu großen Teilen aus Nordafrika und der arabischen Welt stammen.”

Das Ausmaß sexueller Gewalt gegen Frauen weltweit ist überwältigend: Es ist grauenerregend, herzzerreißend und letztendlich macht es wütend. Ob in der Öffentlichkeit oder innerhalb der vermeintlich sicheren eigenen vier Wände, die Angriffe gegen Frauen kennen keine Grenzen. Um die Vereinten Nationen zu zitieren: “Es wird angenommen, dass 35% aller Frauen weltweit im Laufe ihres Lebens entweder körperliche und/oder sexuelle Gewalt eines Intimpartners oder sexuelle Gewalt eines nicht-Partners erfahren. Manche nationalen Studien zeigen, dass bis zu 70% der Frauen im Laufe ihres Lebens körperliche und/oder sexuelle Gewalt eines Intimpartners erfahren.”

Die Übergriffe in Köln sind also nicht im luftleeren Raum entstanden, sondern vielmehr Ausdruck einer ernstzunehmenden, globalen Situation. Das mag sich dramatisch anhören, aber die Zahlen und Augenzeugenberichte sprechen für sich. Die Zeitung The Guardian berichtet: Eines der Opfer, Katja L., sagte gegenüber dem Kölner Express: “Als wir aus der U-Bahn Station kamen, waren wir von der Gruppe ausschließlich ausländischer Männer, auf die wir trafen, total überraschtWir sind durch die Gruppe gelaufen, es gab einen Tunnel durch sie hindurch. Ich wurde überall angefasst. Es war ein Alptraum. Obwohl wir schrien und um uns schlugen, haben die Männer nicht aufgehört. Es war entsetzlich, und ich glaube ich bin auf den 200 Metern Fußweg bestimmt 100 Mal angefasst worden.” Einer der Ermittler sagte gegenüber dem Kölner Express: “Die weiblichen Opfer wurden so schlimm herumgeschubst, dass sie heftige blaue Flecken an Brüsten und Hinterteilen hatten.”

The Guardian berichtete weiterhin: “Die Angriffe waren zentraler Diskussionspunkt auf Twitter, wo manche den Medien Vertuschung unterstellten und die Besorgnis, die Vorfälle könnten von Anti-Flüchtlingsgruppierungen für sich genutzt werden, Ausdruck fand.”

Innerhalb der Auseinandersetzung besteht die tatsächliche Gefahr, dass die angegriffenen Frauen aus dem Blick verschwinden, begraben unter einer Debatte zwischen Links und Rechts. Genaugenommen passiert das bereits. Bleiben wir daher bei den Fakten.

Zahlreiche Frauen wurden auf einem öffentlichen Platz von bis zu eintausend Männern in eine Falle gelockt. Neunzig Opfer haben gegenüber der Polizei ausgesagt. Es gab darüber hinaus ähnliche sexuelle Übergriffe in der selben Nacht in Hamburg. Die Selbstverständlichkeit, mit welcher die Männer hierbei über die Körper der Frauen verfügten, ist entsetzlich.

Die Vorfälle sind dabei durchaus kontrovers zu verstehen, hat doch Kanzlerin Angela Merkel im Verlauf der letzten 12 Monate um die 1 Million Geflüchtete aus Afrika und der arabischen Welt ins Land gelassendieselbe demographisch dominante Gruppe unter den jungen Männern, die diese Angriffe ausführten. Merkels Politik wird nun von vielen für den Anstieg von Sex-Attacken verantwortlich gemacht.

Dennoch wird dies keinen Einfluss darauf haben, dass sich die laufende Debatte um das ThemaRassedreht. Also können wir uns auch damit beschäftigen. Deutschland ist nicht gerade divers und die Mehrheit der Schwarzen und arabischen Menschen scheinen der Arbeiterschaft anzugehören. Dafür gibt es alle möglichen wirtschaftlichen Gründe, zum Beispiel die Tatsache, dass Menschen aus Afrika und dem Nahen Osten es durchaus schwer haben, Papiere zu bekommen und Arbeit aufzunehmen, wenn sie erst einmal hier sind.

In Berlin, wo ich lebe, ist die überwältigende Mehrheit Schwarzer, im Alltag sichtbarer Männer arm, obdachlos oder im Drogenverkauf auf der Warschauer Straße oder am Görlitzer Park, zwei der belebteren Bahnhöfe der Stadt, involviert. Und mit überwältigender Mehrheit meine ich so um die 80%, wenn nicht noch mehr. Und auch wenn es provokant klingt, ich denke die sozio-ökonomischen Umstände und die Frage, weshalb diese Schwarzen Männer eigentlich so arm sind, interessieren einfach auch nicht genügend Menschen hier vor Ort. Ich denke es gibt vielmehr eine weit verbreitete Tendenz, die größer ist als so manche hier anerkennen mögen, zu glauben, Schwarze Männer seien grundsätzlich weniger vertrauenswürdig oder eben kriminell.

Ich behaupte dies teilweise auch aufgrund meiner eigenen Erfahrungen in der Stadt und von Berichten mehrerer meiner nicht-weißen Freunde. Ein Freund aus Westafrika fand es bei einem Besuch der Stadt so schwierig eine AirB&B Wohnung zu finden, dass er jemand Dritten für sich buchen lassen musste. Berichte von Schwarzen, die versuchen in der eh schon schwierigen Wohnsituation in Berlin Zimmer oder Appartments zu finden, lassen ein Gesamtbild von Diskriminierung ziemlich deutlich zu Tage treten. Ziemlich alltäglich bin ich immer wieder überrascht, wie oft es passiert, dass weiße Berliner – auch in voll besetzten Zügen – den Platz neben mir verlassen, allem Anschein nach wenig angetan von der Aussicht neben einem Mann mit afrikanisch anmutendem Äußeren zu sitzen. Und sollte sich das paranoid anhören, dann muss gesagt werden, dass mir dies erst auffiel, als ich von einem weißen, kopfschüttelnden Mann amüsiert darauf hingewiesen wurde. Für jene, die denken, ich sei übersensibel, möchte ich ein paar Fakten herausstellen. Ich liebe diese Stadt und hier zu leben ist es wert auch mit solchen Unannehmlichkeiten zurecht zu kommen. Aber diese Dinge haben mir vor Augen geführt, dass die kulturellen Erwartungen an Schwarze Männer in manchen Gegenden Deutschlands bereits erschreckend niedrig sind. Und jetzt haben wir also auch noch solche Angriffe wie in Köln, einer der schlimmsten seiner Sorte, an die ich mich überhaupt erinnern kann.

Also was schließen wir jetzt aus dieser Analyse? Eigentlich simpel. Stehen wir den Frauen bei. Als Schwarze nner mit afrikanischen Wurzeln hassen uns die Rassisten in Deutschland sowieso. Sie dachten schon beim ersten Anblick wir seien Vergewaltiger und Perverse und jede sonstige Form von Sexualverbrechern. Ihnen sind die Frauen, die in Köln und Hamburg angegriffen wurden egal jenseits der Möglichkeit hier die vermeintlichen Beweise dafür zu finden, dass wir genauso animalisch sind, wie sie es immer schon befürchtetoder gehoffthatten. Deswegen sind mir diese Leute eigentlich egal. Es stört mich auch nicht wirklich, wenn irgendjemand eben nicht neben mir im Zug sitzen will. Die Angst vor dem Unbekannten ist schwierig abzugewöhnen. Mich interessieren vielmehr die Frauen, welche sich jetzt in der Öffentlichkeit mehr denn je unsicher und ängstlich fühlen müssen. Ich denke nicht, dass Frauen sich jemals wirklich wohl gefühlt haben, bei Nacht durch Ansammlungen betrunkener, agressiver Männer gehen zu müssen, egal welche Herkunft diese haben. Aber Männer afrikanischer oder arabischer Herkunft werden zukünftig mit noch mehr vorsichtiger Zurückhaltung und Mißtrauen von Frauen zu tun haben.

Hier ist also was ich denke, was getan werden sollte. Wieso fangen wir nicht bei dem prinzipiellen Grundrecht der Frau an, sich, wo immer sie sich auch auf der Welt befindet, frei auf der Straße bewegen zu können, ohne dabei angegrabscht zu werden.

Und wieso sehen wir dies nicht als perfekten Moment für den Mann an, egal welchen Hintergrunds, ernsthaft wütend darüber zu werden, wie Frauen im öffentlichen Raum behandelt werden und sich dem Glauben, es sei irgendwie sozial anerzogen und Teil unseres unkontrollierbaren sexuellen Drangs, Frauen zu objektifizieren und zu belästigen, wenn sie vorbeilaufen, mit Nachdruck zu widersetzen. Lasst uns unser Bestes tun, der global schon viel zu lange vorherrschenden Frauenfeindlichkeit entgegenzutreten und den wie auch immer gearteten sexistischen Lehren der Unterdrückung zu entsagen. Weil Frauen es leid sind uns darüber zu berichten und einen Kampf zu kämpfen, der viel zu lange schon viel zu wenig Aufmerksamkeit erfahren hat.

How to deal with the sexual assaults in Cologne and Hamburg.

For any woman, the sight must have been terrifying. On New Year’s Eve in the German city of Cologne, groups of drunk and aggressive men surrounded them in the town centre, groping and mugging them. The estimates are that there were between 500 to 1000 attackers, and the early indications are that their efforts were co-ordinated. A minister described these events as a completely new dimension of crime”. According to Wolfgang Albers, the police president, “sexual crimes took place on a huge scale.” He continued: “The crimes were committed by a group of people who from appearance were largely from the north African or Arab world.”

The volume of sexual violence against women worldwide is extraordinary: it is horrifying, heartbreaking, and finally it is enraging. Whether women are in public or in the supposed safety of their own homes, the offences committed against them are off the scale. To quote the United Nations, It is estimated that 35 per cent of women worldwide have experienced either physical and/or sexual intimate partner violence or sexual violence by a non-partner at some point in their lives. However, some national studies show that up to 70 per cent of women have experienced physical and/or sexual violence from an intimate partner in their lifetime. (My italics.) The Cologne assaults, then, did not occur in isolation, but as a particularly severe eruption of a situation which, in global terms, has always been volcanic.

If that sounds dramatic, then so be it: after all, the statistics and the eye-witness accounts are stark enough. As the Guardian reports:

One of the victims, identified only as Katja L, told the Kölner Express: “When we came out of the station, we were very surprised by the group we met, which was made up only of foreign men…We walked through the group of men, there was a tunnel through them, we walked through…I was groped everywhere. It was a nightmare. Although we shouted and hit them, they men didn’t stop. I was horrified and I think I was touched around 100 times over the 200 metres.” One investigator told the Kölner Express: “The female victims were so badly pushed about, they had heavy bruises on their breasts and behinds.”

The Guardian continues:

“The attacks have been the main talking point on Twitter in Germany, with some people accusing the media of a cover-up and others expressing their concern that the incident would be seized on by anti-refugee groups.”

In the ensuing conversation, there is a very real danger that the women assaulted will disappear from view, quickly buried beneath a tug-of-words between the Right and the Left. In fact, it has already happening. So let us reiterate the facts. Scores of women were set upon by up to a thousand men in a public place. Ninety of them made complaints to police. There were also sexual assaults of a similar fashion in Hamburg on the same night. The level of entitlement that these men felt towards the bodies of their victims is appalling.

These events are proving particularly controversial because the Chancellor, Angela Merkel, has within the last twelve months admitted something like a million refugees from Africa and the Arab world – the same demographic dominant among the young men who carried out these assaults. Merkel’s policy is therefore being blamed by many for the influx of sex attackers. On a point of accuracy, it must be noted that many of these attackers were already known to the police, and were not drawn from the recently-arrived refugees. (UPDATE: The Cologne police, in a fresh report issued a few hours ago, have stated that the majority of the attackers comprised freshly-arrived refugees. The link is here.)

This conversation will inevitably be dominated by the issue of race, so we may as well go there. In racial terms, Germany is not particularly diverse, and the majority of the black and Arab people you see tend to be working-class. There are all sorts of economic reasons for that, one being that those arriving from Africa and the Middle East find it very difficult to get papers or work once they are here. In Berlin, where I live, the overwhelming majority of black men you see every day are poor, homeless, or selling drugs by Görlitzer Bahnhof or Warschauer Strasse, two of the city’s busier train stations. And when I say the overwhelming majority, I would say something like eighty per cent, if not more. And, at the risk of sounding uncharitable, I don’t think that as many people as I would like are concerned with the socio-economic nuances of why these black men are so poor. I think that there is instead a tendency, more widespread that many people might like to acknowledge, to regard black men as inherently untrustworthy or criminal.

I say this partly because of my own experiences in the city, and from speaking to several other friends who are non-white. A friend from West Africa, when visiting the city, found it so difficult to secure an AirB&B apartment that he had to ask someone to do it on his behalf. The stories of black people struggling to find rooms and flats in the city are legion – not that it is easy to rent in Berlin anyway, given the popularity of this place, but the tales of discrimination do all start to stack up after a while. More mundanely, I am struck by how often – even on the most crowded of trains – white Berliners will leave a space next to me, somehow fearing the prospect of sitting next to a male of African appearance. And if that sounds paranoid, then it was only something I first noticed when a sympathetic white man, shaking his head with bemused laughter, pointed it out to me.

For those who might think that I am being overly sensitive, I will say that I am merely stating facts. I love this city, and life here is well worth dealing with these inconveniences. But these instances have made me realise that the cultural expectations of black men in some parts of Germany are already dangerously low. And now we have these attacks in Cologne, one of the worst incidents of its nature that I can recall. 

So, what to do with all of this analysis? Well, it is actually simple. Let’s just keep sticking up for the women. As far as being a black man of African descent goes, the racists in Germany and elsewhere hate us anyway. They thought we were rapists and perverts and other assorted forms of sex attacker the second they set eyes on us. They don’t care about the women who were attacked in Cologne and Hamburg, except to prove the point that we are the animals that they always thought – or hoped – we were. In return, I don’t care about them. Nor am I too bothered by the people who don’t want to sit next to me on the train. Fear of the unknown is a hard thing to unlearn. I am most concerned, by far, with the safety of the women who may now be more frightened than ever to enter public spaces.  I don’t think that women have ever felt particularly comfortable walking through crowds of drunk and aggressive men at night, regardless of the race of those men. But groups of young men of North African and Arab origin, whatever their intentions, will most likely endure more trepidation from women than before.

So here’s what I propose we do. Why don’t we just start with the premise that it is a woman’s fundamental right, wherever she is in the world, to walk the streets and not be groped. And why don’t we see this as a perfect moment for men, regardless of our ethnic backgrounds, to get genuinely angry about the treatment of women in public spaces: to reject with fury the suggestion that we are somehow conditioned by society forever to treat women as objects, condemned by our uncontrollable sexual desires to lunge at them as they walk past. Let’s do our best to challenge the rampant misogyny which has gone on worldwide for far too long, and reject whatever lessons of sexist repression we may have been taught. Because women are tired of telling us about this, and exhausted of fighting a battle that for too long has gone overlooked.

 

My new articles for The Economist on innovation and the future.

Late last year, I was commissioned by The Economist to write some articles on innovation and the future. I thought I would put them in one place, in case you’d like to read them in a spare moment or two. I hope you have time to take a look, and that you enjoy them.

  1. A wider cast: the ethics (and economics) of diversity in film
  2. Time over money: Wandering the world with the New Rich
  3. Holograms and the democratisation of modern football
  4. Softly, softly: the future of impact investing
  5. Spontaneity and the modern office
  6. In praise of “techno-optimists”
  7. The rise of the countryside